Kinderwunsch und Technik – welche Apps, Computer und Devices taugen was?

LH-Test oder Ovulationstest mit lächelnder Frau

Frauenhand hält Thermometer über Zyklus-Basaltemperatur-Aufzeichnung

Kaum ein Zyklus ist gleich lang wie der nächste.

Es ist ganz einfach. Es kann nur dann eine Befruchtung stattfinden und eine Schwangerschaft beginnen, wenn Eizelle und Spermien aufeinander treffen. Spermien überleben bis zu fünf Tage in der Gebärmutter und in den Eileitern. Die Eizelle dagegen braucht gerade einmal 24 Stunden, um durch die Eileiter und die Gebärmutter zu wandern und sich zu verabschieden.

Es ist also optimal, genau zu wissen, wann der nächste Eisprung stattfindet. Wenn ein Paar, das gern Eltern werden möchte, aber erst genau in diesem Zeitpunkt mit dem Sex nach Plan anfängt – das ist zu viel zu spät. Besser ist es schon drei Tage vorher. Und das beschreibt das Dilemma sehr gut und erklärt, warum so viele technische Helferlein aus dem Kinderwunsch-Shop nichts nützen. Kinderwunsch-Zentren kennen das gut, dass Paare zu Ihnen kommen, die über viele Monate verzweifelt und mit größtem Engagement und technischem Aufwand immer zum falschen Zeitpunkt an ihrem Kinderwunsch gearbeitet haben.

Drei Tage VOR dem Eisprung ist der beste Kinderwunschtermin

Denn genau am Tag des Eisprungs, ungefähr in der Mitte des Zyklus und 10 bis 14 Tage nach dem Beginn der letzten Regelblutung, gibt es diesen typischen, kleinen Anstieg in der Körpertemperatur, die natürlich jeden Morgen noch vor dem Aufstehen gemessen und aufgeschrieben werden sollte. Wenn die Frau bei der morgendlichen Temperaturmessung – egal ob per Armband, per Spezialthermometer oder Vaginalring – diesen Anstieg bemerkt, ist es für spontane Kinderwunsch-Action schon fast zu spät. Bis das Paar von der Arbeit gekommen ist und den Feierabend eingeläutet hat, ist die Eizelle perdú. Jede App, jedes Armband, jeder Ring, der in die Vagina eingelegt wird, und jeder schicke Kinderwunschcomputer ist auf Versagen programmiert, wenn er ausschließlich die Körpertemperatur heranzieht, um die fruchtbaren Tage vorherzusagen. Und noch schlimmer wird es, wenn ein solches digitales Ding anfängt, aus früheren Zyklen zu berechnen, wann wohl im kommenden Zyklus der Eisprung und die fruchtbaren Tage sein werden.

Denn kaum ein Zyklus ist gleich lang wie der nächste. Stress oder Anstrengung während des Zyklus lassen den Eisprung immer mal früher stattfinden. Oder er verzögert sich, durch Reisen oder andere Veränderungen. Im nächsten Zyklus findet der Eisprung vielleicht wieder zum „richtigen“ Termin statt. Das alles weiß aber die App oder das Device nicht. Beziehungsweise sie erfährt es nur im Nachhinein und kann daraus zwar fruchtbare Tage für den darauf folgenden Zyklus orakeln. Im aktuellen Zyklus gibt sie bei solchen Verschiebungen die fruchtbaren Tage dann schnell mal zu früh oder auch zu spät an.

Auch der LH-Teststreifen kommt zu spät

Ein weiteres Anzeichen für einen Eisprung innerhalb der nächsten Zeit ist es, dass der Körper beginnt, höhere Mengen des Hormons LH (Luteinisierendes Hormon) zu produzieren. Das Hormon wird dann auch über den Urin ausgeschieden und mit Teststreifen messbar. Am Tag des Eisprungs ist der LH-Spiegel am höchsten. LH-Teststreifen gibt es im Drogeriemarkt, und auch manche Kinderwunsch-Computer arbeiten mit einer solchen LH-Messung. Aber wenn das Paar dann nicht ganz spontan unter die Bettdecke schlüpfen kann, ist es zu spät. Die Eizelle wartet nicht auf den Feierabend.

90% aller Kinderwunsch-Devices sind nutzlos

Damit scheiden 90 Prozent aller Kinderwunsch-Devices und -Apps aus dem Rennen aus. Die gute Nachricht ist: Es verbleiben 10 Prozent.

Denn es gibt aber noch eine andere Methode, um den Eisprung vorherzusagen, und zwar den Schleim, der vom Muttermund ausgesondert wird. Dieser Schleim ist normalerweise fest und undurchdringlich. Er soll verhindern, dass Spermien durch den Muttermund in die Gebärmutter kommen, wenn dort keine Eizelle zur Befruchtung vorhanden ist, und er verhindert auch das Eindringen von Keimen in die Gebärmutter. Bereits fünf Tage vor dem Eisprung löst sich dieser feste Schleim-Verschluss auf, der Schleim wird glasiger, dünnflüssiger und lässt sich zwischen zwei Fingerkuppen „ziehen“. Dieses biologische Zeichen zeigt definitiv an, dass der Eisprung bevorsteht. Jetzt genau ist der Zeitpunkt für den Sex, zwei, drei Tage vor dem Eisprung. Die Spermien überleben lange genug in der Gebärmutter, der Schleim ist durchlässig, alles ist gut. Wenn dann erst die Temperatur ansteigt und einen Tag später der Zervixschleim wieder fest wird, dann ist es eindeutig, die fruchtbare Phase ist vorbei.

Der Schleim des Muttermunds bietet die Lösung

Einige Kinderwunsch-Apps erfordern tägliche Angaben zur Qualität des Zervixschleims, um fruchtbar und unfruchtbar zu unterscheiden. Nur so kommen die Berechnungen zu einem sinnvollen Ergebnis. Aber wenn frau erfahren ist mit der Beobachtung ihres Zervixschleims, dann braucht sie eigentlich keine App, keinen Computer und kein teures Device mehr, um ihre fruchtbaren Tage zu erkennen und den Beginn und das Ende der fruchtbaren Zeit relativ sicher zu bestimmen.  Frauen, die mit sich selbst große Erfahrung haben, können in der fruchtbaren Zeit auch ertasten, dass sich ihr Muttermund tief in der Vagina etwas weicher anfühlt.

Die Techniken der Selbstuntersuchung und Selbstbeobachtung zu lernen, braucht ein bisschen Zeit und Übung. In der Frauenarztpraxis ist für solche aufwändigen Konzepte kein Raum. Sehr zuverlässig und Industrie-unabhängig bieten allerdings die Beraterinnen und Kurse von www.sensiplan.de  in vielen Regionen in Deutschland Kurse an, in denen die Technik der Selbstuntersuchung und Selbstbeobachtung und das ganze Wissen rund um die natürliche Familienplanung praktisch erlernt werden kann.

Und jetzt …. Viel Erfolg.

Autorin: Dr. med. Susanna Kramarz

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